Die freie Reichsstadt Nürnberg – Gründung und Werdegang

Mit der Freisprechung der Leibeigenen Sigena, die in einer Urkunde von Kaiser Heinrich III. dokumentiert ist, trat "nuorenberc" (felsiger Berg) im Jahre 1050 in die Geschichte ein. Die Stadt breitete sich zunächst völlig unregelmäßig am südlichen Abhang des Burgberges aus. Fernhandel und Handwerk waren die Grundlagen des Nürnberger Aufschwunges, der den Ausbau der Stadt, die Gründung wohltätiger Stiftungen und ein großzügiges städtisches Leben ermöglichte, von dem auch die Künste profitierten. Karl IV. hielt sich zum Teil monatelang in der Stadt auf. Er legte mit der "Goldenen Bulle" von 1356 fest, dass jeder neu gewählte deutsche Kaiser seinen ersten Reichstag in Nürnberg abhalten solle.

1424 wurde die Stadt an der Pegnitz zum Aufbewahrungsort der Reichskleinodien bestimmt - die Freie Reichsstadt Nürnberg war auf dem Höhepunkt ihrer Macht. Die europäische Metropole wurde zum Zentrum des deutschen Humanismus (Celtis, Pirckheimer, Schedel), der Wissenschaften, Malerei und Bildhauerei: Martin Behaim entwarf den ersten Erdglobus, Peter Henlein erfand die Taschenuhr, Anton Koberger beschäftigte zeitweise 100 Personen an seinen Druckpressen und die Dichtkunst des Meistergesanges erreichte mit Hans Sachs und Hans Rosenplüt einen Höhepunkt. In den Werkstätten des Schnitzers Veit Stoß, des Steinmetzen Adam Kraft, der Erzgießerfamilie Vischer und des Malers Albrecht Dürer entstanden Kunstschöpfungen von europäischem Rang. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) und die Entdeckung neuer Handelswege zur See im 18. Jahrhundert trafen den Lebensnerv der 50.000-Einwohner-Stadt. Nürnberg verarmte und versank in einen langen Dornröschenschlaf, aus dem es erst wieder erwachte, als 1835 die erste deutsche Eisenbahn von Nürnberg nach Fürth fuhr. 1806 war die einstmals Freie Reichsstadt in das Bayerische Königreich eingegliedert worden, und mit der Industrialisierung begann durch den Unternehmergeist des aufgeweckten Bürgertums ein neuer Aufschwung. Zahlreiche Fabriken entstanden und führten die Industrie zur Blüte. Nürnberg, das 1881 bereits mehr als 100.000 Einwohner zählte, wurde zum „industriellen Herz Bayerns“ und blieb es bis zum Zweiten Weltkrieg.

Adolf Hitler, der Nürnberg aus falsch verstandenem Geschichtsbewusstsein als die "deutscheste aller deutschen Städte" sah, machte aus der Noris die "Stadt der Reichsparteitage". Das büßte sie in den letzten Jahren des Zweiten Weltkriegs mit der fast völligen Zerstörung. Der Wiederaufbau nach der Apokalypse dauerte lange.

Heute ist die einstige Größe und Macht der "Weltstadt des Mittelalters" durchaus wieder vorstellbar: Nürnberg bildet das Herzstück einer wirtschaftlichen Metropolregion, die zu den führenden in Europa gehört. Inmitten einer modernen Großstadt mit 500.000 Einwohnern sind Bürgerhäuser, stolze Kirchen, die Burg und der fünf Kilometer lange Mauerring wiedererstanden. Bedeutende Einrichtungen wie das Germanische Nationalmuseum oder das Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, kulturelle Ereignisse von Rang und internationale Messen und Kongresse bringen jährlich Besucher aus aller Welt in die Stadt. Dank hervorragender Hotel- und Gastronomieangebote sowie idealer Verkehrsverbindungen floriert der Tourismus überdurchschnittlich und reiht Nürnberg mit rund zwei Millionen Übernachtungen und 23 Millionen Tagesbesuchern unter die Top Ten in Deutschland ein.

Altstadt und Historie

Tauchen Sie ein in die beeindruckende Geschichte der einstigen Reichsstadt und genießen Sie die Annehmlichkeiten einer lebendigen Stadt, die soviel mehr zu bieten hat als Kaiserburg und Lebkuchen. Entdecken Sie bei Ihrem Streifzug durch die Altstadt das harmonische Zusammenspiel von historischen Gebäude-Ensembles und moderner Architektur. Genießen Sie dabei auch die kulinarischen Köstlichkeiten einer Stadt mit jahrhunderte langer Bier- Lebkuchen und Bratwursttradition.

Museen

Im Albrecht-Dürer-Haus dem Leben und Werk des berühmtesten Sohns Nürnbergs nachspüren, seine Werke im Germanischen Nationalmuseum bestaunen, im Spielzeugmuseum Kindheitsträume wieder wach werden lassen oder sich im Stadtmuseum Fembohaus auf eine unterhaltsame Zeitreise durch über 950 Jahre Historie begeben: Die Nürnberger Museumswelt spannt einen faszinierenden Bogen von der großen, berühmten Sammlung über Kunst und Design der Gegenwart im Neuen Museum bis hin zum fast noch unentdeckten, aber nicht weniger spannenden Liebhaberthema.

Shopping

Bei einem Bummel durch die Nürnberger Altstadt lassen sich Shopping und Sightseeing optimal miteinander verbinden. Museen, Kirchen und romantisch verwinkelte Gassen mit vielen Sehenswürdigkeiten liegen nur wenige Schritte von den Einkaufsstraßen, den gläsernen Ladenpassagen, dem Handwerkerhof oder den kleinen feinen Spezialgeschäften entfernt. Wer Schmuck liebt, fühlt sich in den Schmuckgalerien sowie den Gold- und Silberschmieden unterhalb der Kaiserburg wie im Paradies, denn hier hat sich aus der Tradition heraus handwerkliche Perfektion in modernes Design entwickelt.

Verpflichtende Vergangenheit

Machten die Nationalsozialisten 1933 Nürnberg zur „Stadt der Reichsparteitage“, so setzt Nürnberg heute als „Stadt des Friedens und der Menschenrechte“ eindeutige Zeichen gegen Rassismus und Fremdenfeindlichkeit. Die Verantwortung gegenüber der Vergangenheit zeigt die Stadt eindrucksvoll in der „Straße der Menschenrechte“ mit ihren weißen Säulen, mit der Verleihung des Menschenrechtspreises wie auch im Dokumentationszentrum Reichsparteitagsgelände, das die Zusammenhänge und Folgen der NS-Ideologie transparent macht.

Mit dem „Memorium Nürnberger Prozesse“ ist im Saal 600 – von 1945 bis 1949 Schauplatz der Nürnberger Prozesse – am historischen Ort eine Informations- und Dokumentationsstätte zugänglich, die die Prozesse bis hin zum Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag beleuchtet. In der Nachbarstadt Fürth dokumentiert das Jüdische Museum Franken das jüdische Leben zwischen Heimat und Exil, Tradition und Anpassung, zwischen Vernichtung und Neubeginn.

 

 

 

 

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